Donnerstag, 12. Januar 2012

Seifenkurs in der Schule

Bereits im letzten Jahr rief mich eine Mitarbeiterin des bfz einer naheliegenden Stadt an und fragte, ob ich bereit wäre, im Rahmen ihrer laufenden Maßnahme einen Seifenkurs in einer 8. Hauptschulklasse zu machen. Nach dem konkreteren Informationsaustausch kam es dann gestern endlich zum Termin.

Da ich meine Seifenkurse bis jetzt immer nur vor hochmotivierten  Erwachsenen gehalten hatte, nahm ich die neue Herausforderung neugierig an. Die bfz-Mitarbeiterin meinte, die Kinder würden sich auf mich freuen, weil es mal was anderes wäre und  mal jemand aus der Praxis käme.

Mein Sohnemann hörte sich das an und meinte ganz trocken:"Ja klar freuen die sich, wenn mal kein normaler Unterricht gemacht wird und jemand anderes kommt - das ist völlig egal, wer." Auch eine Perspektive, live aus einem Schülermund...(pragmatisch wie die Mutter...)

Gestern packte ich also meine Utensilienkisten und fuhr zu besagter "Mittelschule", wie sie jetzt ja alle heißen. Ich genoss es, auf dem Lehrerparkplatz zu parken und suchte - leicht nervös -  die Klasse: 11 Jung und ein Mädchen. Sie schauten mich an wie eine Lehrkraft und das half mir dann auch, problemlos in meine Rolle zu schlüpfen. Anscheinend sehe ich doch älter und autoritärer aus, als ich mich fühle. In dieser Situation empfand ich das doch sehr vorteilhaft. Ich stellte meine erste Kiste ab, ließ sie von den Jungs bewachen und holte die zweite Kiste. Auf dem Weg traf ich die bfz-Mitarbeiterin und wir gingen  zurück ins Klassenzimmer. Dort kam noch die Hauswirtschaftslehrerin dazu, und wir zogen komplett in die Schulküche um.

Die Schüler versammelten sich neugierig um mich und meine Kisten, deren Inhalt ich nun auf der Küchenzeile verteilte.  Und schon waren wir mittendrin in der Praxis der Seifenherstellung: Demonstrativ gab ich die abgewogenen festen  Fette zum Schmelzen in einen Topf, und rührte bei offenem Fenster und mit Schutzbrille, Schutzkleidung  und reichlich Warnungen die Lauge an. Die Jugendlichen, die alles aus gebührendem Abstand verfolgten, sahen die Hitzeentwicklung der chemischen Reaktion, als ich  NaOh und dest. Wasser mischte. Es dampfte. Einer traute sich dann auch mit einem Schutzhandschuh das heiße Laugengefäß von außen berühren - alles unter meiner Kontrolle.

Nun hatten wir eine Wartezeit, in der das feste Fett schmelzen und die Lauge abkühlen musste. Ich sah den Kids tief in die Augen und begann mit der Theorie (Chemie)  der Verseifung, erzählte von verschiedenen Fetten, Verseifungszahlen, Seifenrechnern und so weiter. Hier für gab ich ihnen auch ein von mir extra vorbereitetes Merkblatt in die Hand.

Als die Temperaturen von Lauge und Fetten optimal für die Weiterverarbeitung waren,
demonstrierte ich den  Beginn des Verseifungsprozeßes  (Mischen von  Lauge und Fetten) praktisch. Alle Köpfe hingen (fast!) über dem Seifentopf. In dieser kleinen Gruppe konnte man wirklich gut arbeiten. Beduftung und Färbung fanden sie auch noch sehr interessant. Als jedoch der Seifenleim in seiner Form und isoliert war, ließ die Aufmerksamkeit schon etwas nach.

Die Theorie der Verseifung erläuterte ich nach dem Zusammenrühren noch mal, und ich erklärte nun auch noch Beduftung, Allergene und Allergenproblematik und die Kosmetikverordnung, die alle gewerblichen Seifensieder bei Herstellung und Verkauf einhalten müssen. Mancher Blick schweifte zum Fenster hinaus...

Nach so viel trockenem Stoff  packte ich noch eine Schachtel mit verschiedensten Seifenmustern aus - und alle kamen wieder näher....

Abschließende Fragen stellten am Schluss eigentlich nur noch die Erwachsenen.
Ich hoffe trotzdem, dass ich den Jugendlichen einen interessanten Einblick gewährt habe.
Sicherlich denken sie noch mal an alles, wenn sie nächste Woche "ihre" Seife aus der Isolierung holen, in Stücke schneiden und zum Reifen ablegen.

Mir hat es Spaß gemacht. Ich fand es interessant, einmal einer ganz anderen Zielgruppe meine Tätigkeit ein bisschen nahezubringen. 


(Dieser Blogeintrag ist keine komplette Anleitung zum Seifesieden, auch keine vollständige Vorgangsbeschreibung - es ist eine Erzählung)







Kommentare:

  1. Liebe Regine, ich habe auch schon eine Projektgruppe aus der Hauptschule hiergehabt und demnächst kommen die Pfadfinder Mädels(;-)
    Die praxis ist immer gut, die Theorie halte ich sehr kurz(;-)Dein Merkblatt würde mich mal interessieren...ich hab auch etwas zusammengestellt,aber mehr praktisches..LInks, etc..
    Liebe Grüße vom Zwerg

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  2. Schön, dass alles geklappt hat und dass sie gehörig eingeschüchtert waren!
    Gruß vom Frollein

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  3. Grüß Dich Regine, das hört sich doch nach einem gelungenem Nachmittag an. Es ist sicher was anderes vor einer Gruppe einen Kurs zuhalten, die diesen Gebucht und bezahlt haben oder eben in der Schule vor den Kids. Das stelle ich mir auf jeden Fall schwieriger vor aber du hast das ja richtig klasse gemeistert.
    LG Doreen

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  4. Oh, liebe Gine,
    darüber müssen wir uns auch mal austauschen, denn ich soll demnächst mit einer 9. und 10. Klasse gemeinsam mit deren Chemielehrerin im WPK Chemie Seifen sieden...und bislang hatte ich eben auch nur hochmotivierte Erwachsene und keine Pubertierchen.
    Wir müssen mal schwatzen!

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  5. @Zwerg und Postpanamamaxi.
    Ja, gern, tauschen wir uns demnächst aus...

    @Frollein: Nun ja - gehörig einschüchtern ist sicher noch etwas anderes, aber es war eigentlich schon schön.

    @Doreen: ja, das ist ein Unterschied. Als es nach der Doppelstunde gongte, waren die Schüler auch schnell weg....

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  6. Tolle Sache! Hatte letztens auch Kontakt mit der Chemielehrerin unseres Großen (Kl.9). Beteilige mich also auch gern am Austausch. Ich glaube der Aha-Effekt wird sein, wenn jeder eine fertige Seife mit nach Hause nehmen darf, schade, dass du da sicher nicht mit dabei bist. Liebe Grüße, Anke

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  7. @Alisavon...ich denk mal, in einer "weiterführenden" Schule einer höheren Klasse ist das noch interessanter....

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  8. Oh Gine, das freut mich das alles geklappt hat. Ich würde wahrscheinlich nur gazzen und stottern...

    Ja ich denke auch das sie ein Stück Seife nun ganz anders sehen werden und wer weiß, vielleicht hast Du ja unter dem Nachwuchs einen potentiellen Nachfolger motiviert...in ein paar Jahren..;-)

    Da wissen die schon mal wie der Hase läuft...

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